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Money-Management - Einführung

Börsentäglich zerbrechen sich Anleger den Kopf über den geeigneten Einstiegs- und Ausstiegskurs. Selbst die Zeitebene – also das „wann“ – wird minutiös analysiert, um den größtmöglichen Trading-Erfolg zu erzielen. Mit den abenteuerlichsten Methoden versuchen charttechnisch mehr oder weniger versierte Börsianer die wahrscheinlichen Wendepunkte auszuloten. In 95% der Fälle ist das Resultat unter dem Strich jedoch ernüchternd. Trotz teils profunder Kenntnisse in Zyklus- und Chart-Analyse gelingt es der überwältigenden Mehrheit der an der Börse handelnden Leute nicht, nachhaltig Gewinne zu erzielen. Doch woran liegt das? Hat die Chart-Technik etwa doch keine Berechtigung und ist vielmehr ein Hokuspokus der Finanzindustrie? Nein, weit gefehlt! Der Hauptgrund für den ausbleibenden Erfolg beim Gros der Anleger ist, dass sie sich zwar intensiv mit der Frage des „wann“ und „zu welchem Kurs“, nicht aber mit dem „wie viel“ auseinandersetzen. Das Risiko- und Money-Management wird häufig stark vernachlässigt oder gar nicht berücksichtigt. Dabei ist es nicht nur unerlässlich, sondern bei vielen Profi-Tradern DER Garant für ihren Erfolg.

Was ist Risiko- und Money-Management?

Das Risiko- und Money-Management befasst sich nicht mit dem Timing von Ein- und Ausstieg, sondern mit der Frage, wie viel meines Kapitals darf ich pro Trade riskieren. Ferner schafft es Klarheit im Hinblick auf den Stopp-Loss, den der Trader bei jedem Trade platzieren sollte. Ja, Sie lesen richtig: „sollte“, denn leider ist dies längst nicht für alle Anleger eine Selbstverständlichkeit. Es herrscht vielfach eine regelrechte Aversion gegen das Setzen von Stopps.


Das Feindbild „Stopp-Loss“

Offen gesagt liegt die Abneigung gegen Stopp-Kurse in vermeintlich schlechten Erfahrungen damit begründet. Wir Menschen nehmen negative Erlebnisse zweieinhalb Mal so stark wahr, wie positive. Da es als Misserfolg wahrgenommen wird, wenn bei einer Position der Stopp-Loss greift, genügt es bereits, einmal ausgestoppt zu werden, um in unserer Wahrnehmung zwei Gewinn-Trades zu eliminieren. Einige Anleger glauben sogar, ihr Erfolg bliebe aus, gerade weil sie Stopps setzen. Gerne wird dann von „unglücklich ausgestoppt“ gesprochen.

Wenn es wirklich so wäre, dass einige Anleger fast immer unglücklich ausgestoppt werden, dann müssten sie nur ein System genau darauf programmieren lassen, das diese Bewegung entgegen ihres Stopps handelt und wären binnen weniger Monate Millionäre. Sie haben sicherlich schon selbst festgestellt, dass solche Aussagen weniger gehaltvoll, als vielmehr rein emotionale Auswüchse von Anleger-Frust sind. Wenn man diese Leute fragt, wie viel Zeit sie darauf verwendet haben, einen Plan für ihr Risiko- und Money-Management auszutüfteln, dann bricht entweder das große Schweigen aus oder es kommt ehrlicherweise eine Antwort, wie „gar keine“ oder „wenig“.

Tatsächlich ist es so, dass Chart-Technik, Fundamental-Analyse und Money-Management zusammengehören. Nur, wenn man alle drei Komponenten als Einheit in sein Handelskonzept packt, wird sich nachhaltiger Erfolg an der Börse einstellen.

Trefferquoten schaffen trügerische Sicherheit

Wenn Sie im Internet den Suchbegriff „Handelssystem“ eingeben, dann werden Sie sehr schnell auf Angebote stoßen, bei denen die herausragende Trefferquote hervorgehoben wird. Es heißt dann zum Beispiel „90% Trefferquote – unschlagbar“. Anleger mit wenig bis keiner Erfahrung an den Märkten springen rasch auf solche Lockrufe der Finanzindustrie an. Bei 90% Trefferquote, was soll da schon schiefgehen, oder?! In der Regel handelt es sich bei solchen Angeboten um überoptimierte Systeme, die in Backtests (rückwirkende Testläufe) auf einen kurzen Zeitabschnitt solche Ergebnisse erzielt haben. Sobald sich aber nur ein winziger Parameter ändert, sei es die Volatilität oder die Trendintensität, wird das System in sich zusammenfallen.

Wir haben über die Jahre viele solcher Anbieter kommen und gehen sehen. Niemand, der derartige Trefferquoten bewarb blieb länger als ein paar Monate am Markt. Glauben Sie etwa, milliardenschwere Großbanken würde Unsummen für die Konzipierung von Handelssystemen ausgeben und nur auf Trefferquoten von 55-57% kommen, wenn sie ein System mit einer Erfolgsquote von 90% für 700 oder 1000 € erwerben könnten?

Gute Systeme funktionieren langfristig, also über 10, 20 Jahre. Und je länger ein System funktionieren soll, desto einfacher wird es konstruiert sein. Schließlich muss es von der Hausse über einen volatilen Seitwärts-Markt bis hin zur Baisse in sämtlichen Marktphasen zumindest akzeptable Ergebnisse erzielen. Entsprechend sind Trefferquoten von 90% der Fabelwelt zuzuordnen. Das Gefährliche an den, auf Trefferquoten konzentrierte Marketing-Strategien der Finanzindustrie ist, dass man dem Anleger eine nicht existierende Sicherheit suggeriert. Sie riskieren dann üblicherweise zu viel ihres Kapitals pro Trade und vernichten ihr Depot binnen kurzer Zeit.


Money-Management ist Ihre Versicherung

Bevor ein Trade eingegangen wird hat der Trader üblicherweise eine recht neutrale und mehr oder weniger objektive Sicht auf den zu handelnden Markt. Ist die Position jedoch eröffnet und mit jedem Tick verändert sich der Kontostand, so kommen Emotionen ins Spiel, die unerfahrene wie auch erfahrene Trader dazu verleiten, vom eigentlichen Handelsplan abzuweichen. Der Trader wird undiszipliniert!
Diese Vorteile bringt Ihnen gutes Money-Management

Handelt man eine gute Strategie, die einen Gewinnvorteil hat, unter Einhaltung eines cleveren Money-Managements, so wird man zwangsläufig Gewinne machen. Wer sich nur auf die Treffsicherheit seiner Strategie verlässt, der wird mit ziemlicher Sicherheit sogar bei einer sehr guten Strategie irgendwann einen Großteil seines Geldes verlieren. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wer zu viel riskiert kann von einzelnen Trades mitunter handlungsunfähig gemacht werden, weil er zu viel von seinem Kapital einbüßt.

Der Clou ist: Wer seinen Einstieg in einen Trade dem Zufall überlässt, indem er zum Beispiel Dartpfeile auf den Aktienteil der Tageszeitung wirft oder die zu handelnden Märkte auslost, der kann mit Hilfe einer ausgereiften Money-Management-Strategie nachhaltige Gewinne erzielen. Noch einmal zur Verdeutlichung: Sie müssen über die Märkte nicht viel wissen und könnten dennoch konstant Gewinne erzielen, wenn Sie ein guter Risiko-Manager sind.

Vorteil 1: Wir kennen unseren möglichen Verlust genau

Unsicherheit ist etwas, das sich ein Trader nicht leisten kann. Deshalb ist es auch eminent wichtig, vor der Eröffnung einer Position seinen möglichen Verlust festzulegen. Ein Trader kann die Entwicklung des Marktes nicht beeinflussen. Das Einzige, was er selbst bestimmt ist den möglichen Verlust. Er legt fest, wie stark er eine Position gewichtet und wie weit er den Trade ins Minus laufen lassen würde. Die Festlegung des möglichen Verlusts lässt den Trader ab der Trade-Eröffnung bis zum Schließen der Position gelassen bleiben.

Üblicherweise definiert der Trader auch ein Trading-Ziel. Aus dem Verhältnis von Trading-Ziel zu Einstandskurs und der Ratio von Einstieg und Stopp-Level ergibt sich das sogenannte Chance/Risiko-Verhältnis. Wer weiß, dass er bei einer Strategie ein Vielfaches vom möglichen Verlust gewinnen kann, der wird nicht nur bei einem Trade entspannt bleiben, sondern sogar ohne mentale Probleme eine ganze Serie von Verlusten verkraften können. Schließlich kennt er den positiven Erwartungswert seiner Handelsmethode und kann ziemlich sicher sein, dass das statistisch zu erwartende Ergebnis sich mit fortwährender Handelsdauer auch real einstellt.


Vorteil 2: Wir bestimmen, wie viel wir riskieren

Es geht beim Stopp- und Risiko-Management nicht nur darum, einen sinnvollen Stopp-Kurs festzulegen. Die Höhe des möglichen Verlusts hängt davon ab, wie viele Einheiten eines Wertpapiers wir kaufen. Die Größe einer Position wird auch allein vom Trader festgelegt. Profi-Trader riskieren pro Trade maximal 1-3% ihres Depots.

Vorteil 3: Es wird immer nur ein Bruchteil des Geldes eingesetzt – die Wohlfühl-Position

Je kleiner die Gewichtung des einzelnen Trades ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass ein Trader durch eine Serie von Verlusten sein Konto ruiniert. Jedem, der an der Börse handelt muss klar sein, dass Verluste zum Geschäft gehören. Sie lassen sich eindämmen, aber niemals gänzlich vermeiden. Die Kunst besteht darin, eine Positionsgröße zu wählen, mit der man sich wohlfühlt. Einige Trader sind risikofreudiger und möchten vielleicht eher 3-5% pro Trade riskieren, andere sind eher defensiv und riskieren 0,5-2%. Das muss jeder für sich herausfinden.
Wichtig ist dabei, dass man nicht allein den möglichen Gewinn im Blick hat, sondern auch den Worst-Case einkalkuliert.


Vorteil 4: Das Risiko wird mit Hilfe statistischer Daten definiert

Wer eine Strategie handelt, der kann mit Hilfe seiner eigenen Trading-Statistik oder alternativ durch einen sogenannten Backtest seine Methode besser kennenlernen. Wer eine statistische Auswertung vornimmt, kennt die historischen Draw-Down-Phasen, den durchschnittlichen Gewinn, sowie den durchschnittlichen Verlust pro Trade. Damit lässt sich nicht nur die Profitabilität einer Handels-Strategie ermitteln, sondern auch ein Plan für das Risiko-Management erstellen.

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